Takemusu Aikido Erlangen

 
» Navigation » Startseite

<- ->

Erschienen in der Mitgliederzeitung des TB-Erlangen, Ausgabe IV/2007.

Budo für Kids — Kanu-Ausflug 07.-08. Juli 2007

„Kanufahren im Altmühltal“

-> Bilder

Die letzten Wochen vor den Sommerferien sind erfahrungsgemäß etwas zäh. Die Temperaturen laden oft eher zum Freibad ein, als zum Training auf der Matte und Schullandheim-Aufenthalte, Sommerfeste und vorzeitig angetretene Urlaubsreisen unterbrechen die disziplinierte Routine eines regelmäßigen Trainingsbesuches und die Zahl der am Training teilnehmenden Schüler schrumpft. Um die Unentwegten und Disziplinierten zu belohnen, werden eben in diesem Zeitraum schwerpunktmäßig Gürtelprüfungen abgehalten und auch Ereignisse organisiert wie z.B. ein Kanu-Ausflug.

Einmal nicht auf der Matte raufen, sondern sich im Freien aufhalten, Wasser und Sonne genießen, das war ein Abenteuer für 18 Schüler (9 Jungen, 9 Mädchen, 7-11 Jahre) aus unseren beiden Budo-Gruppen, die von fünf Erwachsenen betreut wurden. Mit sechs Kanus sind wir am Samstag von Zimmern nach Breitenfurt gepaddelt. Es war eine siebenstündige (Tor)Tour, wie in der Vorankündigung angedroht. Alle Erwachsenen mußten den Schülern ein großes Lob aussprechen ob ihres körperlichen Einsatzes, ihrer Lernfähigkeit bei der Handhabung des Paddels, ihres Durchhaltevermögens und ihres Kameradschaftsgeistes.

Die Schüler waren schon im Vorfeld in die Planung eingebunden. Jeder durfte selbst entscheiden und wußte, mit wem er im Boot sitzt und wie alles ablaufen würde und so gab es keine Überraschungen. Alles lief nach Plan. Hatte es Tage vorher noch kräftig geregnet, so haben wir ein perfektes sonniges Wochenende erwischt. Fünf Boote waren jeweils mit einem Erwachsenen und drei Schülern besetzt. Die festgelegte Vorhut wurde wie vorgeschrieben nicht überholt und hinter der Nachhut ist niemand zurückgeblieben.

Lediglich der Bitte, bei den Wassertemperaturen auf Wasserschlachten zu verzichten, wurde nicht ganz nachgekommen. Ausgerechnet bei den Lehrern meinten einige Schüler, eine Ausnahme machen zu müssen. Die Rache war natürlich ziemlich feucht und die Verhältnismäßigkeit nicht immer gewahrt. (Die Lehrer entschuldigen sich hiermit). Das einzige ausschließlich mit Schülern besetzte Dreierboot ist denn auch planmäßig gekentert: Bei dem zwangsläufigen Zickzack-Kurs auf der Altmühl, kam dieses Boot an einer Stelle einem mit Brennesseln bewachsenen Ufer zu nahe und keiner der Schüler wollte die Brennesseln berühren, so daß sich alle auf die gleiche Seite des Kanus gelegt haben. Dabei hat man dann gelernt, dass dieses gemeinsame Verhalten dazu führt, dass das Boot sich um seine Längsachse dreht (abgekürzt: es kentert). Anerkennendes Staunen gab es von den Erwachsenen, dass aus begleitenden Booten Schüler ins Wasser sprangen, um ihren Freunden zur Hilfe zu kommen.

An der Anlegestelle in Breitenfurt waren einige Schüler so erschöpft, daß sie lauthals verkündeten, so etwas nie wieder zu machen. Nach dem Zeltaufbau und einer ausgiebigen Grillmahlzeit waren hingegen wieder alle ausnahmslos dafür, dass wir dies zu einem jährlich zu wiederholenden Ausflug machen sollten. Die Arbeitsteilung beim Zeltaufbau und beim gemeinsamen Grillen lief hervorragend. Der respektvolle Umgang miteinander, welches eine wichtige Säule unseres Budo-Trainings ist, hat sich bei diesem Kanu-Ausflug in sehr angenehmer Weise reflektiert. Natürlich gab es Ausnahmen, dass der ein oder andere sich nicht an alle Regeln gehalten hat, aber das war alles in einem akzeptierbaren Rahmen.

Am Sonntag war dann das am Zeltplatz angrenzende Freibad angesagt und hier gab es die erste und einzige kleine Panne. Im Freibad war der Wärmetauscher ausgefallen und damit war das Wasser ungeheizt. Die Einheimischen wußten natürlich von dieser Tatsache, so dass wir das Freibad fast ganz für uns alleine hatten. Da ging die Post ab. (Der Bademeister war extrem kulant).

Rückblickend war es ein erfolgreicher Ausflug. Es gab keine Verletzten, viele sind naß, aber nicht krank geworden und am Ende sah es so aus, als ob alle Schüler ausnahmslos positiv emotional von diesem Ausflug profitiert haben.

Die letzten Wochen vor den Sommerferien sind auch für die Lehrer eine Art Jahresabschluß, wo man gerne auf das Erreichte zurückblickt. Mit Freude stellt man fest, dass „Bulli“ aufgehört hat, kleine Mädchen herumzuschubsen, daß „Zwerg“ sich nicht ständig durch provozieren der körperlich überlegenen in Gefahr bringt, dass „Susi“ jetzt ein selbstbewußtes Auftreten hat, dass „Tolpi“ um einiges geschickter geworden ist und dass „Kasper“ sich nicht ständig durch Störung der Trainingsstunde profilieren muß (Die Namen sind frei erfunden, haben mit tatsächlichen Persönlichkeiten keine Gemeinsamkeiten und dürfen weder im Dojo noch außerhalb des Dojos benutzt werden).

Vielleicht hätte man bei der Befragung der Schüler, was sie denn denken gelernt zu haben, zuerst zusammenfassen sollen, was man denn eigentlich in diesem Jahr alles lehren wollte. Die meisten Antworten lauteten entsprechend „wir haben gelernt, uns zu verteidigen“. Nun, nicht ganz falsch, stand aber auf der Liste meiner Prioritäten erst an dritter Stelle. Einige Schüler brachten eine Saite zum schwingen – „wir haben gelernt, respektvoll miteinander umzugehen“ – bingo, Ziel erreicht. Das ist ein Erfolgserlebnis für die Lehrer. Aber auch der Satz „ich habe neue Freunde gefunden“ wirkt ausgesprochen motivierend.

Mit diesem positiven Jahresabschluß freut man sich schon wieder auf den Trainingsbeginn nach den Sommerferien, mit neuen Schülern im Basistraining und einer harmonischen motivierten Gruppe im Fortgeschrittenentraining. Vielleicht kann man ein paar Altgediente dazu überreden, sich jetzt in das Aikido-Training der Jugendlichen am Freitag zu trauen.

PD Dr. Wolfgang Nitz
(2. Dan Aikido, 1. Kyu Judo)

   
Seitenanfang