Takemusu Aikido Erlangen

 
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Erschienen in der Mitgliederzeitung des TB-Erlangen, Ausgabe II/2007.

Budo für Kids - Wochenendseminar 17./18. März 2007:

"Kinder sind stark".

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Zweimal im Jahr, Mitte März und Mitte Oktober, veranstalten wir mit den BudoKids ein Wochenendseminar. Die Betreuung über 24 Stunden ist zwar eine Herausforderung an uns Trainer, aber wir glauben, dass der Lerneffekt bei den Techniken und dem Sozialverhalten diese Anstrengungen wert sind. Es sind immer alle Schüler eingeladen, sowohl vom Basistraining, als auch die Schüler vom Fortgeschrittenentraining. Wenn alle unsere mittlerweile 47 Schüler kommen würden, dann hätten wir zwar genug Platz, aber für uns drei Lehrer (Silva, Kai und Wolfgang) und die Unterstützung aus der Jugendlichengruppe (Kim, Saskia und Sandra) wäre es sicher ziemlich stressig.

An diesem Wochenende waren es 20 Schüler, die über mehrere Trainings-einheiten in Budo-Philosophie und -Techniken unterrichtet wurden. Budo wird immer im Zusammenhang mit Kampfsport gesehen und Kampfsport immer damit in Verbindung gebracht, dass Kinder sich körperlich wehren können. Das ist ein nicht ungefährlicher Trugschluss. Die körperliche Stärke ist in der Regel bei einer Auseinandersetzung mit einem Erwachsenen unzureichend. Wenn wir als Motto für dieses Wochenendseminar "Kinder sind stark" gewählt haben, so muß hier "Stärke" erst einmal definiert werden. Desgleichen muß die Ausübung dieser "Stärken" erst einmal ins Verhältnis gesetzt werden zu dem, was man unter einer "Auseinandersetzung" versteht.

Bei einer offensichtlichen Gewaltanwendung sind die Fakten klar, bei einer versteckten Belästigung wird die Beurteilung schon schwieriger. Wie reagiert man angemessen auf eine Zärtlichkeit durch einen Bekannten, wie z.B. Streicheln im Gesicht, was vielleicht gar nicht bös gemeint ist, bei dem man sich aber irgendwie komisch fühlt. Wir haben uns natürlich als Lehrer auf dieses Wochenendseminar vorbereitet. Es gibt eine Reihe guter Literatur zu diesem Thema. Die höchste Priorität hat bei solchen "Auseinandersetzungen" die Körpersprache. Aus der Körperhaltung soll klar zum Ausdruck kommen, dass man mit Selbstbewußtsein auf Abwehr geht. Die Stärke der Körpersprache muß geschult werden, um Tätern sofort ein "Stopp" zu signalisieren.

Die zweite Priorität zur Vermeidung einer Opferrolle ist die rhetorische Stärke. Das bedeutet, über geeignete Wort- und Satzwahl, einen potentiellen Täter von seinen Absichten abzubringen. In Rollenspielen haben wir das erfolgreich durchgespielt. "Das ist mir unangenehm" ist die erste Stufe. "Ich finde das pervers" ist die letzte Stufe auf der rhetorischen Kette. Dagegen ist "Verpiss Dich" nicht so wirkungsvoll und eher provozierend. Eine Zärtlichkeit wie das Streicheln des Gesichtes ist nicht unbedingt ein Angriff, und doch können an dieser Stelle die Techniken des Budo bzw. des Aikido zur Anwendung kommen. Das Ausweichen und das Wegführen der ankommenden Hand ist eine Basisübung. Der ushiro-eri-dori, der Griff ins Genick, ist schon eher eine richtige Bedrohung und kann durch geschickte Bewegung neutralisiert werden. Neutralisieren heißt dabei, dass man den Griff löst und den Angriff ins Leere laufen läßt.

Kinder sollten sich mit einem Erwachsenen nicht auf eine körperliche Auseinandersetzung einlassen. Da haben sie keine Chance. Mentale Stärke bedeutet, dass man die Ruhe bewahrt und sich eine Strategie überlegt. Die Körpersprache ist als erstes einzusetzen, die Rhetorik als zweites - dann folgt das Heben der Stimme mit zunehmender Lautstärke, zur Einschüchterung und als Hilferuf. Erst als letztes Mittel kann man versuchen, die körperliche Stärke, seine Geschicklichkeit und das Wissen um ein paar empfindliche Punkte einzusetzen.

Diese Theorie haben wir natürlich schön über das gesamte Seminar verteilt, zwischen Spielen und körperlichen Geschicklichkeitsübungen. Die Fallschule, die man dann beherrschen muß, wenn man den Bösewicht spielt, ist auch für eine Haltungsschule nicht verkehrt. Die Koordination von Schrittfolgen, Hüftdrehungen und Handbewegungen, gerade bei den Aikido-Techniken, sind hervorragende Hilfsmittel zur Körperschulung und Körperwahrnehmung.

Filmabend und Nachtwanderung gehören auch zum Programm eines Wochenendseminars. Als Film wird natürlich etwas altersgerechtes und lehrreiches ins Auge gefaßt. Was dabei für einige Kinder gerade angemessen ist, kann von anderen Kindern lautstark als extrem langweilig bezeichnet werden. Hier für ein Klima der Toleranz zu sorgen, ist uns auf diesem Wochenendseminar ausnahmsweise gelungen. Obwohl es abends spät geworden ist, war für viele Kinder das Aufstehen am Morgen überhaupt kein Problem. Am Sonntagmorgen waren, wie bei jedem Wochenendseminar, Waffentechniken unter der Leitung des Dojo-cho "Nicki" Norbert Schwierzock (6. Dan Iwama Ryu) angesagt. Ist die Disziplin erst einmal etabliert, kann man Kindern tatsächlich einen Stock in die Hand geben, ohne dass sie aufeinander losgehen.

Zum Abschluß des Seminars geht es noch unter dem Motto "faires Raufen" um die Umsetzung von Judo-Techniken. Damit ist dem Wochenendseminar in voller Budo-Breite genüge getan. Einige Kinder brauchten nur noch wenige Techniken zu demonstrieren, um den nächsten Gürtel zu erreichen. Das haben wir ebenfalls in dieses Wochenendseminar hereingepackt. So gratulieren wir ganz herzlich Laura Kromeich zum 5. Kyu (grüner Gürtel), Luka Trifunovici zum 8. Kyu (gelb/orange), Manuel Eller zum 9. Kyu (gelber Gürtel) und Marvin Wipfler zum 10. Kyu (gelb/weiß).

BudoKids trainieren immer Mittwochs in der Sporthalle im Röthelheimpark. Nach Ostern haben wir dabei die Trainingsdauer verlängert und es gelten neue Trainingszeiten:
Basistraining: 16:15 - 17:45
Fortgeschrittenentraining: 17:50 - 19:20

PD Dr. Wolfgang Nitz
(2. Dan Aikido, 1. Kyu Judo)

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