Takemusu Aikido Erlangen

 
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Erschienen in der Mitgliederzeitung des TB-Erlangen, Ausgabe IV/2006.

Trainingserwartungen

Aus aktuellem Anlass und aufgrund der Tatsache, dass gerne über Sinn und Hintergrund des Trainings in den Kampfkünsten (hier im Aikido gemeint) diskutiert wird, möchte ich einige Anmerkungen niederschreiben. Das Iwama Ryu Aikido, wie es in unserem Dojo praktiziert wird, folgt der alten und traditionellen Lehrmethode einer Lehrer – Schüler – Beziehung. Alle, die schon einmal die Gelegenheit hatten, in Japan im alten Dojo des Aikidobegründers zu üben, kennen dies und verhalten sich entsprechend.

Dies ist der Weg, wie ein Dojolehrer sein Wissen nach traditionellem Verständnis an seine Schüler weiter gibt, diese Schritt für Schritt besser werden und schließlich den SHODAN (1. Dan) erreichen. Während dieser Zeit und auch später ist es natürlich nicht verboten, "über den Zaun" zu blicken. Saito Sensei hat uns ausdrücklich dazu ermuntert und auch ich habe dies mehrfach gesagt.

Je weiter man selbst kommt umso wichtiger wird es, auf andere Seminare zu fahren und von anderen Lehrern Wissen aufzusaugen. Dies hat viele Vorteile für das eigene Vorwärtskommen, aber leider auch ein Paar Nachteile, denn spätestens jetzt kann der Aikidoschüler in Gewissenskonflikte kommen: haben wir diese Technik bei uns im Dojo nicht anders gemacht (?) … eigentlich gefällt es mir doch viel besser, die Technik so wie auf dem Lehrgang auszuführen… und eigentlich könnte man doch ein bisschen herum probieren … ob mein Lehrer das wohl richtig verstanden hat … (?). Ähnliches kann natürlich auch bei umfangreicher Internetrecherche passieren.

Wer unter solchen Unsicherheiten leidet, der sollte sich bemühen, sein Ego schnell wieder in den Griff zu bekommen und sich auf das Training im eigenen Dojo zurück erinnern. Für Anfänger, Fortgeschrittene und Yudansha gilt das gleiche. Dabei führt der Weg über das Studium der Grundformen und Basistechniken hin zur eigenen Haltung und Einstellung. Im Training kommt es nicht darauf an, die Techniken herausfordernd und schnell ausführen zu können, oder die Distanzen zu verkürzen, was leicht zu Verletzungen führen kann. Das normale Training ist ein "Formtraining", manchmal "ätzend" und langweilig und nicht jedes Training kommt bei jedem gut an.

Richtig: Aikido ist eine Kampfkunst - aber es geht nicht darum zu lernen, wie man die Technik in der Praxis auf der Straße umsetzten kann, sondern wie man lernt, dies tunlichst zu vermeiden. Im Iwama Ryu Aikido gibt es keine Diskussion, ob eine Technik so oder anders richtig sein könnte… die Techniken sind klar definiert.… und wenn die Techniken nicht funktionieren, dann liegt es in der Regel nicht an der Technik an sich, sondern an der Ausführung. Und: wer jahrelang die "Form" übt, wird auch in einer brenzligen Situation richtig und schnell reagieren. Dies zu üben und zu verstehen ist Bestandteil des Trainings. Wer dies verstanden hat, der kommt auch weiter zum NIDAN, SANDAN, usw.…

Wer sich in diesem Moment allerdings nicht mehr um das "gemeinsame" Training kümmert, sondern nur noch "seine" eigenen Techniken und sein "eigenes" Fortkommen im Fokus hat, und wer nicht mehr an dem System interessiert ist, wie es von Saito Sensei und von mir im Dojo unterrichtet wird, der muss sich neu entscheiden und seinen eigenen Weg gehen, ein eigenes Dojo aufmachen und Schüler haben, die diesen Weg mit ihm gehen wollen.

Norbert Schwierzock, Dojo-cho

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